Kurz nach Neujahr hatte ich eines Morgens mehrere verpasste Anrufe von beiden meinen Eltern auf dem Handy. Das war der Beginn eines Monats, an den ich mich nur noch verschwommen erinnern kann – ein Monat voller Angst, jemanden Geliebtes zu verlieren. Zum Glück ging am Ende alles gut, doch die Angst war prägend.
Zu dieser Zeit arbeitete ich als Grafikerin und fotografierte nebenbei. Es war das erste Jahr, in dem ich auch im Winter Shootings hatte. Leider war mein Hauptjob sehr fordernd, und ich spürte, wie viel Kraft er mir abverlangte. Es war schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Doch meine Leidenschaft, die Fotografie, aufzugeben, war keine Option. Gerade nach der schwierigen Zeit zu Beginn des Jahres wurde mir noch klarer, wie wichtig Erinnerungen sind.
Im April wurde ich nach Spanien eingeladen. Der Plan war, einen Hof zu besuchen, um eventuell gemeinsam einen Fotokurs zu planen. Doch diese Reise sollte noch viel bedeutungsvoller werden. Dort trafen zwei Menschen aufeinander, die beide mit ihrem Beruf nicht ganz zufrieden waren. Nach langen, tiefgehenden Gesprächen wurde mir bewusst: So kann es nicht weitergehen. Zum einen weiss man nie, wie viel Zeit einem bleibt, zum anderen könnte ich ewig auf den „richtigen“ Moment warten. Der Entschluss stand fest: Ich würde meinen Job kündigen und mich ab dem Sommer vollständig der Selbstständigkeit widmen.
Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Im Sommer begann eine Zeit voller Unsicherheiten, Zweifel, aber auch voller Feuer für alles, was kommen sollte. Ich merkte: Mein Weg ist zu hundert Prozent der Richtige. Endlich, nach so vielen Jahren, habe ich mein Ziel erreicht.
Seit Juli bin ich zu hundert Prozent selbstständig als Fotografin und Grafikerin. Aktuell liegt der Fokus zu etwa 90 % auf der Fotografie und zu 10 % auf Grafikdesign. Mein Wunsch ist, dass sich dies noch etwas ausgeglichener entwickelt.
Ich denke oft, dass ich grosses Glück habe. Und das stimmt auch – aber dieses Glück war das Ergebnis vieler Entscheidungen. Ohne diese wäre ich immer noch in einem Job, der mich langfristig nicht glücklich gemacht hätte. Mehr denn je habe ich realisiert: Das Herz weiss, was es will. Es klingt vielleicht kitschig oder naiv, aber es ist einfach die Wahrheit.
Für 2025 wünsche ich mir mehr Ruhe – vor allem Gesundheit für meine Familie. Für mich selbst wünsche ich mir noch mehr kreatives Feuer und dass alles so weitergeht wie bisher. Denn ich liebe, was ich tue, und bin froh, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben, auch wenn es nicht immer leicht ist.



